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April 1, 2025

Anzeichen und Symptome von Depressionen bei Männern

Lesedauer: 5 Minuten

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden rund 322 Millionen Menschen an Depressionen. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Gerade bei Männern bleibt die psychische Erkrankung häufig unerkannt.

Aber warum ist das eigentlich so? Welche (frühen) Anzeichen und Symptome haben von Depressionen betroffene Männer? In diesem Artikel gibt es wichtige Antworten auf deine Fragen. 

Unterdiagnostizierung von Depressionen: Ein großes Problem bei Männern?

Man geht in der Forschung davon aus, dass Frauen ungefähr zwei bis drei Mal öfter die Diagnose Depressionen bekommen als Männer. Das scheint aber keineswegs daran zu liegen, dass Männer tatsächlich seltener unter Symptomen der Erkrankung leiden. 


Der Unterschied zwischen den Geschlechtern könnte auch dadurch zustandekommen, dass Depressionen bei Männern eher unterdiagnostiziert werden. Während Frauen sich häufiger Hilfe holen, versuchen Männer eher, selbst mit ihren Symptomen zurechtzukommen. Warum sind Männer besonders von unentdeckten Depressionen betroffen?

Die Gründe, warum Männer in Deutschland nur halb so häufig mit einer Depression diagnostiziert werden wie Frauen, sind vielfältig. Während Frauen eher über Traurigkeit, Weinen oder Hilflosigkeit klagen, äußern sich Depressionen bei Männern oft anders - zum Beispiel durch Reizbarkeit, Gefühlstaubheitoder selbstzerstörerisches Verhalten

Zum gesellschaftlich tief verankerten Rollenbild von Männern gehört es, keine emotionale Schwäche zu zeigen. So lernen viele Männer schon als Kinder, dass sie stark, selbstständig und belastbar sein müssen. Weinen sei genauso wie das Zeigen von Gefühlen nicht männlich. Zwar verändern sich moderne Männlichkeitsbilder nach und nach, dennoch ist das noch nicht bei jeder Person so angekommen.. 

Die vermeintlichen Erwartungen Außenstehender können dazu führen, dass Männer ihre Depressionen nicht als Krankheit anerkennen. Stattdessen führen sie ihre Symptome auf persönliches Versagen zurück. Statt sich frühzeitig Hilfe zu suchen, versuchen Betroffene, die Symptome zu ignorieren oder oft auch mit Drogen, Alkohol oder sonstigen problematischen Verhaltensweisen erträglicher zu gestalten.

Zudem passen die Symptome mitunter nicht in das klassische Bild einer Depression. Weder von Betroffenen selbst noch von Ärztinnen und Ärzten oder Angehörigen wird das Krankheitsbild dann in manchen Fällen erkannt. 

Welche Anzeichen zeigen Männer bei Depressionen?

Wir haben es bereits kurz erwähnt: Depressionen sind bei Männern oft schwer zu erkennen, da es sein kann, dass sie sich anders äußern als bei Frauen. Während Traurigkeit und Rückzug als klassische Anzeichen für eine (beginnende) Depression gelten, zeigen Männer ihre psychische Erkrankung häufig in Form von Gereiztheit, Wut, Risikoverhalten oder dem Missbrauch von Substanzen. Hellhörig werden lassen sollte es sich jedoch auch, wenn du plötzlich eine innere Leere verspürst und du dich aus Hobbys, Freundschaften oder Beziehungen zurückziehst.

Ein weiteres Problem: Betroffene interpretieren ihre Symptome oft als Stress oder Erschöpfung, nicht als Depression. Es könnte sein, dass du lieber allein durchzuhalten versuchst, anstatt dir schnell Hilfe zu suchen. Dabei gibt es einige frühe Warnzeichen, die dich unbedingt hellhörig werden lassen sollten.

Welche frühen Warnzeichen gibt es?

Oft beginnt eine Depression mit ganz kleinen Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit. Diese können sich im Laufe der Zeit schleichend verstärken.

Frühe Warnsignale für dich - oder deine Angehörigen - können sein:

  • Chronische Erschöpfung: Du fühlst dich auch nach ausreichendem Schlaf ausgelaugt und kraftlos und das Aufstehen fällt dir schwer.
  • Reizbarkeit und unverhältnismäßige Wut: Schon kleine Missverständnisse oder Vorkommnisse lösen in dir übermäßigen Ärger oder Frustration aus. 
  • Verlust von Interessen: Du verlierst Freude an deinen Hobbys, sozialen Kontakten oder beruflichen Zielen oder sie sind dir plötzlich ohne Grund nicht mehr so wichtig.
  • Konzentrationsprobleme: Plötzlich hast du Schwierigkeiten, dich auf Gespräche oder Aufgaben zu fokussieren. Vielleicht leidest du zusätzlich unter Gedächtnisschwierigkeiten. 
  • Körperliche Beschwerden: Hast du ohne klare Ursache anhaltende Kopfschmerzen oder Verspannungen? Auch diese körperlichen Symptome können auf eine Depression zurückzuführen sein. 
  • Vermeidungsverhalten: Statt dich mit deinen mentalen Problemen auseinanderzusetzen, ziehst du dich möglicherweise zurück oder suchst Ablenkung in Arbeit, Alkohol oder Drogen. 

Diese Anzeichen werden oft übersehen oder als “normale” Reaktion auf Stress abgetan. Bist du dir unsicher, kannst du dir Feedback von Freund:innen, Familie und Bekannten zu deinem veränderten Verhalten holen. So oder so: Wenn deine Anzeichen über mehrere Wochen bestehen oder sich sogar verstärken, kann dies auf eine beginnende Depression hindeuten. Der Gang zu einer Ärztin oder einem Arzt kann in diesem Fall die nötige Klärung bringen. 

Welche häufigen Symptome zeigen Männer mit Depressionen?

Die WHO beschreibt Depressionen als ein Zusammenspiel aus emotionalen, kognitiven und körperlichen Symptomen. Um mit der psychischen Erkrankung diagnostiziert zu werden, wird zumeist die ICD-10, die internationale Klassifikation der Krankheiten und Gesundheitsprobleme, angewandt. Was bedeutet das für dich als Mann? 

Typische Haupt- und Nebensymptome einer Depression bei Männern

Gemäß der ICD-10-Klassifikation müssen bei Betroffenen unabhängig von deren Geschlecht mindestens zwei der folgenden Hauptsymptome über eine Dauer von mindestens zwei Wochen bestehen. Nur dann kann eineDepression diagnostiziert werden:

  • Anhaltende Niedergeschlagenheit oder emotionale Leere
  • Interessenverlust an Hobbys, Familie oder Sexualität
  • Erschöpfung und Antriebslosigkeit

Zusätzlich treten mitunter Nebensymptome auf, die bei Männern besonders ausgeprägt sein können. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Gereiztheit und Aggressivität
  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch als Selbstmedikation
  • Selbstverletzendes Verhalten oder bewusst riskantes Verhalten
  • Reduzierte sexuelle Lust oder Erektionsprobleme
  • Anhaltende Niedergeschlagenheit oder innere Leere
  • Schlafstörungen oder Appetitveränderungen
  • Verlust von Freude an Aktivitäten, die früher Spaß gemacht haben
  • Selbstzweifel und Schuldgefühle

Da viele dieser Symptome nicht als klassische Anzeichen einer Depression wahrgenommen werden, bleibt die Erkrankung oft unentdeckt.

Die Anzahl der zutreffenden Symptome sowie die Dauer und Intensität bestimmen die Schwere der Depression. Leichte Depressionen bergen zusätzlich noch die Gefahr, unentdeckt zu bleiben. Mittelschwere und schwere Depressionen werden hingegen häufiger erkannt, da betroffene Männer hier schon vielerlei Symptome aufweisen und stark im Alltag eingeschränkt sind.

Depressionen und ihr Einfluss auf das Sexualleben von Männern

Ein Thema, über das vermutlich ebenso selten gesprochen wird wie über Depressionen selbst, sind die negativen Auswirkungen der Erkrankung auf deine Sexualität. Für diese spielt dein psychisches Wohlbefinden eine sehr große Rolle. 

Möglicherweise kennst du das Gefühl: Als Mann mit Depressionen kann es sein, dass du weniger Lust auf Sex verspürst. Dir fehlt die Energie für Intimität mit deiner Partnerin oder deinem Partner oder du bist emotional ausgelaugt. Das kann deine Beziehung kurz- und langfristig belasten - besonders, wenn dein Gegenüber die Veränderung nicht verstehen kann. 

Man geht davon aus, dass bis zu 90 Prozent aller depressiven Männer von Libidoverlust betroffen sind. Bei manchen wirkt sich die Depression sogar auf die Potenz aus. Wenn der Testosteronspiegel schwankt und zu wenig Dopamin ausgeschüttet wird, können Erektions- oder Orgasmusprobleme die Folge sein. 

Andererseits gibt es Männer, die versuchen, ihre Depression durch intensiven oder risikoreichen Sex zu überdecken. Sex scheint für sie eine Möglichkeit zu sein, der inneren Leere zu entfliehen - sei es nun durch häufig wechselnde Partner:innen oder extreme sexuelle Praktiken. 

Was hilft Männern bei Depressionen?

Viele Männer sind es gewohnt, Probleme eigenständig zu lösen. Doch eine Depression ist keine Frage der reinen Willenskraft. Sie erfordert gezielte Behandlung und Unterstützung. 

Ein wichtiger erster Schritt ist demnach die Psychotherapie. Besonders die kognitive Verhaltenstherapie hat sich als wirksam erwiesen. Sie hilft, negative Denkmuster zu erkennen, schrittweise zu durchbrechen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. 

In einigen, schwereren Fällen kann auch eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Wichtig: Ob diese für dich infrage kommt, solltest du immer in Absprache mit einer Mediziner:innen entscheiden.

Du möchtest neben professioneller Hilfe auch auf Selbsthilfe-Strategien setzen? Hier kommst du zu unseren Tipps zum Thema Selbsthilfe bei Depressionen

Nimm deine psychische Gesundheit ernst!

Depressionen bei Männern sind weit verbreitet, werden aber oft nicht erkannt. Statt Gefühle zu verdrängen oder mit Alkohol und Arbeit zu kompensieren, solltest du dir als möglicherweise Betroffener frühzeitig Hilfe suchen, um dir gesunde Bewältigungsstrategien anzutrainieren. Achte zudem unbedingt auf etwaige Warnzeichen.

Leidest du über längere Zeit an den oben angeführten Anzeichen und Symptomen wie Reizbarkeit oder Antriebslosigkeit? Spätestens dann ist Zeit, dir professionelle Unterstützung zu holen. Beavivo bietet dir die hilfreiche Möglichkeit zeitnah einen Therapieplatz zu finden. Vereinbare gleich dein Erstgespräch! Denn eines ist sicher: Niemand muss Depressionen allein durchstehen. 

Alicia Mensing

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