Artikel vom 
Mai 9, 2022

Positive Psychologie: Was ist das?

Lesedauer 4 Minuten

Fragt man Menschen, wie sie sein wollen, was sich in ihrem Leben verbessern könnte, was sie von ihrem Leben erwarten oder was das Leben lebenswert macht, bekommt man häufig ähnliche Antworten. Wir wollen glücklich sein, gesund sein, ein erfülltes Leben leben, vielleicht erfolgreich sein. Doch was bedeutet das alles eigentlich? Ist ein “gutes Leben” nicht etwas Individuelles? Woher wissen wir, ob wir glücklich sind? Reicht es aus, negative Gefühle und Erfahrungen zu reduzieren? Was brauchen wir, um uns gut zu fühlen? Ein Zweig der Psychologie, die positive Psychologie, hat sich in den vergangenen Jahren mit diesen Fragen beschäftigt. Antworten darauf und Erkenntnisse der positiven Psychologie fassen wir hier für dich zusammen. 

Warum überhaupt positive Psychologie?

Der Begriff der positiven Psychologie wurde stark von dem amerikanischen Psychologen und Wissenschaftler Martin Seligman geprägt. Gegen Ende der 90er Jahre schlug er einen Paradigmenwechsel in der Psychologie vor. Zuvor gab es in der Psychologie und der wissenschaftlichen psychologischen Forschung einen hauptsächlich defizitorientierten Blick: einen Fokus darauf, Schlechtes im Leben zu verringern. Nach der positiven Psychologie ist das aber nicht genug, denn die Abwesenheit von Negativem (wie z.B. depressiven Symptomen, Ängsten) führt nicht automatisch zu der Anwesenheit von Positivem (z.B. Glück, Zufriedenheit). Der Fokus sollte auch darauf gerichtet sein, wie Gutes entstehen und in den Alltag integriert werden kann. Die wissenschaftliche Forschung der positiven Psychologie beschäftigte sich also in den letzten 25 Jahren intensiv mit Themen wie Wohlbefinden, Hoffnung und Glück, um zu klären, wie Menschen aufblühen, was sie stärkt und wie sie sich weiterentwickeln können.  

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Es handelt sich bei der positiven Psychologie zwar um eine recht junge wissenschaftliche Disziplin, aber die zahlreichen Studien und Untersuchungen der letzten Jahre haben für eine gute wissenschaftliche Fundierung gesorgt. Daher kann inzwischen wissenschaftlich belegt werden, was unser Wohlbefinden stärkt, was uns glücklich macht oder was das Leben lebenswert macht. In der Praxis kann die Psychologie heute also nicht mehr nur dafür genutzt werden, psychische Störungen zu verstehen und behandeln. Sondern auch um präventiv vorzugehen, um Menschen davor zu schützen, überhaupt zu erkranken bzw. dafür zu sorgen, ein “gutes Leben” zu leben. Die positive Psychologie und ihre Effekte sind also nicht nur für “kranke” Menschen nützlich, sondern richten sich genau so an “gesunde” Menschen. 

Erkenntnisse der wissenschaftlichen Forschung der positiven Psychologie

Das PERMA Modell der positiven Psychologie

Aus den Ergebnissen der Forschung hat Martin Seligmann das sogenannte PERMA-Modell entwickelt. Es erklärt, welche Faktoren zum subjektive Wohlbefinden beitragen und von den meisten Menschen angestrebt werden. Die Abkürzung PERMA steht für die Faktoren
Positive Emotions (positive Emotionen), Engagement (Engagement,
Einsatzbereitschaft),
Relationships (positive soziale Beziehungen),
Meaning (Sinnhaftigkeit) und
Accomplishment (Leistung, Zielerreichung). 

Positive Emotionen: Das regelmäßige Erleben von positiven, angenehmen Emotionen, wie Hoffnung, Liebe, Dankbarkeit, Zuneigung, Genuss, usw. ist essentiell für das Wohlbefinden. Positive Emotionen erweitern unser Denken, machen uns kreativer und offener für neue Verhaltensweisen. 

Engagement: Menschen sind zufriedener und blühen auf, wenn sie sich für etwas subjektiv wichtiges engagieren. Es motiviert uns, die eigenen Stärken und Interessen auszuleben. Manchmal kommen wir dabei auch in den sogenannten “Flow”. Das bedeutet, dass wir in eine Sache so vertieft sind, dass wir die Zeit und die Umgebung um uns herum ganz vergessen.

Soziale Beziehungen: Positive Beziehungen tragen einen großen Teil zum Wohlbefinden bei. Teil einer sozialen Gruppe zu sein, sich auf andere verlassen können, sich gegenseitig zu helfen, Beziehungen halten und leben können: das ist für die meisten Menschen der größte Faktor für Zufriedenheit. Und dabei kommt es nicht darauf an, wie viele Freunde oder Familienmitglieder du hast, sondern darum, wie die Qualität deiner sozialen Beziehungen ist. 

Sinnhaftigkeit: Es macht glücklich, die eigenen Stärken so einsetzten, dass man einen Sinn bzw. eine Sinnhaftigkeit im Leben findet. 

Leistung/Zielerreichung: Wenn wir etwas schaffen oder etwas erreichen, nehmen wir uns als erfolgreich wahr. Es steigert die Selbstwirksamkeit, also die Erfahrung, dass unser Verhalten wirksam ist. Es zeigt: ich kann etwas bewegen, ich habe die Kontrolle darüber, etwas zu verändern. 

Wie kann man davon profitieren?

Du kennst jetzt die Faktoren, die ein “gutes Leben” ausmachen. Sie machen uns nicht nur glücklich, sondern beeinflussen unsere physische und psychische Gesundheit, unsere Widerstandsfähigkeit, Kreativität, Erfolg und unsere Leistung. Was kannst du also tun, um dein Wohlbefinden zu steigern? Es lohnt sich, die verschiedenen Faktoren des Modells anzuschauen, und zu überlegen, inwieweit sie in unserem Leben aktuell umgesetzt oder vorhanden sind. Schon kleine Übungen können helfen, das Wohlbefinden zu steigern. 

Ein Dankbarkeitstagebuch, in dem du jeden Abend drei Dinge notierst, wofür du dankbar bist, kann beispielsweise die positiven Emotionen stärken. Ein Fokus auf unsere Ziele und Fortschritte im Leben, steigert die Selbstwirksamkeit. Versuche dafür vor allem große Ziele in kleine Teilbereiche einzugliedern, damit sie nicht unerreichbar werden und notiere deine Erfolge! Pflege deine sozialen Kontakte, triff dich mit Freunden und tausche dich mit ihnen aus. Es kann auch wichtig für das Wohlbefinden sein, sich von negative Beziehungen abzugrenzen. Überlege dir, was deine Interessen und Stärken sind, und wie du nach ihnen leben bzw. sie ausleben kannst. Das kann die eigene Arbeit sein, ein Ehrenamt oder ein kreatives Projekt, was du dir schon lange vorgenommen hast. 

Fazit

Glückliche Menschen leben länger, sind gesünder, haben ein besseres Immunsystem und sind zufriedener. Das Gute ist: wir können unser eigenes Wohlbefinden beeinflussen! Es hängt von unseren Einstellungen und positiven Erfahrungen ab. Angenehme Emotionen sind zwar wichtig, für ein “gutes Leben” und Wohlbefinden brauchen wir aber auch ein Sinn im Leben, positive soziale Beziehungen und das Gefühl, dass wir uns weiterentwickeln können.

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Friederike Schubbert

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